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A. Ziele des Forschungsprojektes Die allgemeine Bilanz des zweiten Weltkrieges zeigt, dass die größten Opfer und Verluste bei der Zivilbevölkerung, ganz besonders bei den Stadtbewohnern, zu finden sind. Aktuelle Statistiken bezeugen, dass unter den an diesem Krieg beteiligten Ländern die größten Bevölkerungsverluste beim polnischen Volk liegen. Sie betrugen 16,07% der Gesamtbevölkerung der Republik Polens. Erste Schätzungen in Bezug auf den materiellen Verlust, hauptsächlich unter dem Aspket der Reperationsforderungen durchgeführt, ergaben eine Summe von 250 Mrd. zl. Die Preise vom 31.08.1939 zu Grunde legend, ist das ein Zeitwert von 10 Budgets des polnischen Haushalts der Jahre 01.04.1939-31.03.1940. . ![]() Aus heutiger Sicht und mit dem heutigen Wissen lässt sich sagen, dass die elementare Gerechtigkeit und das Bemühen um die Klärung der Schicksale Polens und von Polen nicht widerfahren ist. Die kommunistischen Machthaber der Volksrepublik Polen haben die Verluste auf menschlicher sowie auf materieller Seite Polens nicht geklärt. Sie konnten und wollten nicht aufarbeiten, was sich auf dem Terrain der 2. Republik Polens, durch die Sowjetunion besetzt, sowie auf dem Terrain polens, dass durch die Rote Armee in den Jahren 1944 und 1945 besetzt war, zugetragen hat. Noch heute, 63 Jahre nach Ende der Kriegshandlungen, sind die Schicksale von hunderttausenden Staatsbürgern der 2. Republik Polens nicht geklärt, vorallem im Grenzgebiet im Osten. Die Feststellungen der Menschen - und Vermögensverluste auf den durch das III Deutsche Reich besetzten Gebieten haben einen sehr unterschiedlichen Glaubwürdigkeitsgehalt und gingen ebensowenig über die Sphäre von Zahlen und Prozenten hinaus. In einem demokratischen Land kann so eine Situation nicht akzeptiert werden. Sie Belastet die folgenden Generationen mit der Schuld des Vernachlässigens. Der immer größer werdende Zeitabstand zum 2. Weltkrieg erschwert die Untersuchungen; Zeitzeugen schwinden, Dokumente verblassen und gehen sogar verloren. Die Aufgabe, die ganze tragische Wahrheit polnischer Kriegsgeschichte ans Licht zu bringen, liegt bei den Städten, besonders bei der Hauptstadt des Landes, Warschau, oder der Hauptstadt Großpolens, Posen. Zusammen mit professionellen staatlichen und städtischen Institutionen, mit aktiven bürgerlichen Vereinen sowie mit Hilfe von Freiwilligen realisiert die Selbstverwaltung Gdingen diese Aufgabe seit fast einem Jahr. Die Inbetriebnahme der Internetseiten des Projekts ist ein Meilenstein für die Bekanntmachung in der Öffentlichkeit und für die Erreichung der gesetzten Ziele. Abgesehen vom politischen Willen die Wahrheit herauszufinden, stehen uns für die Forschung modernste Technologien, öffentliche Fonds sowie die Möglichkeit der Zusammenarbeit, zumindest auf dem Gebiet der EU, zur Verfügung. Das Forschungsprojekt „Gdingen während des 2. Weltkrieges“ macht es sich zur Aufgabe,eine Grundlage und einen Ausgangspunkt für die Erforschung des Nachkriegsschicksals der Stadt zu schaffen. Wir werden es allen Interessierten ermöglichen, die geltende Rechtsbestimmungen, ihre Situation betreffend, zu bestätigen, oder diese zu ermitteln, auf Grundlage von amtlichen und offiziellen Dokumenten. Unsere Aufgabe ist den dazu berufenen Institutionen und Organisationen sowie anderen Interessierten zu helfen, die Wahrheit kennenzulernen, jedoch nicht das Aushändigen der Wahrheit. Der Bedarf für das Forschungsprojekt resultiert aus der Überzeugung der Kommune der Stadt Gdingen, ihr Wissen über das Kriegsschicksal der Stadt und deren Einwohner nicht auf oberflächliche, unglaubwürdige und unechte Bewertungen der Folgen des 2. Weltkrieges zu stützen. Es wurde festgestellt, daß: 1. Eine große Mehrheit der Einwohner Gdingens der Vorkriegszeit keine Möglichkeit hatte, ihre materiellen, aber vor allem menschlichen Verluste bzw. die Verluste ihrer Verwandten, anzuzeigen. Viele Einwohner, meistens ganze Familien, sind verschwunden, und keiner fragte nach ihnen, es sei denn, es handelte sich um vorher schon stadtbekannte Personen. 2. Die in den Archiven befindlichen Dokumente über Repressionen den Bewohnern Gdingens gegenüber unvollständig, zerstreut und unbearbeitet sind. Eine Wiederherstellung vernichteter Dokumente (z.B. in Bezug auf Gefangene von Konzentrationslagern) oder die Digitalisierung von bestehenden Dokumenten wird nicht vorgenommen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass das Staatsarchiv in Danzig – Niederlassung Gdingen – mit der entsprechenden Sorgfalt Dokumente aufbewahrt, die die Realisierung des Projekts ermöglichen. 3. Viele Gewaltakte der Besatzer, z.B. die Konfiskation von Vermögen, dienten den kommunistischen Machthabern, welche die „nachdeutschen Güter“ in Gdingen aufbewahrten (!) Offensichtliche Kriegsschäden und –verluste, besonders die von Menschen oder Privatfirmen, wurden nicht aufgezeigt. Eine der bedeutendsten Publikationen in Bezug auf Gdingen, „Die Geschichte Gdingens“, vom Ossoliński-Forschungsinstitut (Breslau-Warschau-Krakau-Danzig – 1980) unter Redakteur R. Wapiński [„Dzieje Gdyni” Zakładu Narodowego im. Ossolińskich (Wrocław-Warszawa-Kraków-Gdańsk – 1980) pod red. R. Wapińskiego], umfasst u.a. folgenden Inhalt: „Ferner ist es auch schwierig, die genaue Anzahl von ermordeten und verschollenen Bürgern Gdingens festzustellen. Die Quellangaben umfassen nicht jeden, außerdem beinhalten sie viele Ungereimheiten sodass daraus keine genauen Zahlenangaben von Verlusten möglich sind. Darum nennen wir nur als Beispiel, dass sich unter den Opfern des Hitler-Terrors 15 Berater der Industrie- und Handelskammer, 12 Lehrer, 14 Pfarrer, 65 Mitglieder des Polnischen Bündnisses West, 34 Beamte der Ermittlungspolizei, 10 Mitarbeiter des Seefahrtsamts, 10 Jungen aus Oblusch und 31 Käufer befinden.“ Zusammen 191 Personen. B. Bestimmungen aus der bisherigen Verwirklichung des Projekts I. Schäden und Verluste Gdingens Einwohner Im Einklang mit der Anordnung des Stadtpräsidenten Gdingens vom 26. Juli 1945, begann die Abteilung für Kriegsentschädigungen der Stadt Gdingen mit der Registrierung der Kriegsschäden. Diese Registrierung umfasste Kriegsschäden bei beweglichen Gütern bzw. Arbeitswerkstätten, die natürlichen als auch juristischen Personen gehörten, sowie immaterielle Schäden. Nach Beendigung der Registrierungen mussten die gesammelten Daten bis zum 20. August 1945 an die Kreisleitung übermittelt werden. Die Registrierung der Kriegsschäden erfolgte durch Erfassungskommissare und mit Hilfe von Fragebögen für Städte bezüglich Kriegsschäden. Die Fragebögen wurden durch Geschädigte ausgefüllt, in dem sie ihre erlittenen Verluste materieller und immaterieller Art anzeigten. Zu den immateriellen Schäden zählte man: 1. Körperliche Behinderungen (permanente Behinderungen, schwere gesundheitliche Einschränkungen, schwere Körperverletzungen, Vergewaltigungen), 2. Geistige Behinderungen (permanente Behinderungen, schwere geistige Behinderungen), 3. Verlust des Ernährers (Infolge von: Kriegshandlung, Mord, Gefangenschaft, Konzentrations- und Straflager etc, Zwangsarbeit, Verwundung, Krankheit, Erschöpfung, Untertauchens), 4. Moralische Verluste (Infolge von: Tod von nahen familienangehörigen, körperlicher und geistiger Behinderungen von nahen familienangehörigen, Verschwinden von nahen familienangehörigen, Zwangstrennung, Verfolgung wegen Nationalität und Rasse etc.) Die Datenerhebung dauerte (gerade mal) 24 Tage. In dieser Zeit (Juli bis August 1945) wurde Gdingen von ca. 30.000 Menschen bewohnt, also ca. 30% der festen Einwohner der Stadt vom 30. Juni 1939 (98.775) und 24% der städtischen Gesamtbevölkerung (127.300). Unter diesen 30.000 und den, die den Fragebogen eingereicht haben, wohnten viele vor dem Krieg nicht in Gdingen. Manche Fragebögen betreffen nur eine Familie, da sie von vielen Familienmitgliedern dieser Familie ausgefüllt und eingereicht wurden. Im Staatsarchiv in Danzig – Niederlassung Gdingen – werden 7716 Fragebögen aufbewahrt. Die Repräsentativität der Schadens- und Verlustregistrierung während des 2. Weltkrieges der Gdinger Bürger, sowie das Wissen über den Umfang der Repressionen gegenüber den Vorkriegseinwohnern ist also sehr klein. Die Fragebögen, die in Gdingen eingereicht wurden, wurden nicht durch die Fragebögen der Gdinger ergänzt, die außerhalb Gdingens ihr neues Zuhause gefunden haben. Die erste Massenaussiedlung der Gdinger Bürger erfolgte ohne jegliche Ankündigung. SS-Brigadenführer Christoph Diehm verordnete am 12. Oktober 1939 die Evakuierung der polnischen Bevölkerung aus dem Stadtteil Adlershorst bis Donnerstag, 12. Oktober 1939, 9:00 Uhr. 1. Die Einwohner haben sich um 9:00 Uhr an der Orłowska-Straße vor dem Zivilverwaltungsgebäude zu versammeln. 2. Die Wohnungen sind offen zu lassen. Die Wohnungsschlüssel sollen in die Eingangstüren und Wohnungstüren stecken gelassen werden. Das Betreten der Wohnungen nach 9:00 Uhr wird als Sabotage angesehen. 3. Mitzunehmen ist grundsätzlich nur Handgepäck erlaubt (Kleidung, Unterwäsche, Besteck und persönliche Gegenstände). Möbel und alle Wohnungseinrichtungen sind in den Wohnräumen zu hinterlassen. 4. Die Verwüstung von Wohnungen und deren Einrichtungen werden als Sabotage angesehen. 5. Wer sich der Sabotage schuldig macht und wer zuwider des Verbots noch eine Waffe bestitzt, wird erschossen. Zeit für die Befolgung der Anordnung: 20 Minuten. Gewicht des Handgepäcks: 25-30 kg. Bis zum 26. Oktober 1939 wurden über 50.000 Gdinger aus ihrer Stadt ausgesiedelt, also der größte Teil der ständigen Bewohner der Stadt. Diese Aktion (kontinuierend über den ganzen Zeitraum der Besatzung) betraf diejenigen, die nach der Rückkehr Pommerns zu Polen (im Jahr 1920), nach Gdingen kamen, um die Stadt zu bauen und zu entwickeln. Die lokale Bevölkerung (Autochthone) konnte in Gdingen bleiben, wurden aber von den zentral gelegenen Stadtteilen in die Vororte umgesiedelt. Dramatisch verschlechterten sich die Lokalen-, und allgemein, die Lebensverhältnisse in der Stadt. Das Vermögen der aus- und umgesiedelten, Immobilien sowie Mobilien wurden konfisziert. Vom ersten Tag der Besetzung der Stadt am 14. September 1939 wurden Massenverhaftungen von Personen durchgeführt, die in der Lage waren, Widerstand zu leisten oder zu organisieren (z.B. im Sonderfahndungsbuch Polen aufgelistete). Die Verhafteten wurden in Sammellager (auch in Gdingen) und in das Konzentrationslager Stutthof gebracht oder ermordet (Piasnitzer Wälder). Viele Gdinger, die im August 1939 mobilisiert wurden, sind gefallen, oder fanden sich in Zwangsarbeitslagern wieder. Auch ihr Hab und Gut blieb ungeschützt, am öftesten wurde es von der deutschen Besatzungsmacht geplündert, aber auch von Deutschen, die nach Gdingen herbei geholt wurden. Bis heute hat man keine bearbeiteten Fragebögen gefunden, die über das Schadensausmaß im Leben oder in der Gesundheit der Gdinger oder an deren Eigentum aussagen machen könnten. II. Schäden und Verluste der Gemeinde Gdingen. Die Registrierung von Kriegsschäden an kommunalen und staatlichen Institutionen sowie Gebäudeschäden leitete die Allgemeine Versicherungsanstalt. 1. Es wurde festgelegt, dass die Stadt, in Folge von Vernichtung oder Ausfuhr von Eigentum von städtischen Unternehmen und Betrieben, einen Schaden von 12.884.174 zlzu tragen hat – die Preise vom 31.08.1939 zu Grunde legend. Das durchschnittliche jährliche Haushaltsvolumen der Stadt betrug 1938/1939 9.590.000 zl (ca. 74% der Schadenshöhe). Die Kosten für die Wiederherstellung des Zustandes der Stadt vom August 1939, die Preise vom Februar 1946 zu Grunde legend, betragen sich auf 227.656.263 zl. Das durchschnittliche Haushaltsvolumen einer Stadt im Jahre 1946 beträgt 168 Mio zl. (ca. 74% der Wiederaufbaukosten). ![]() Hafen Passagier Terminal vor dem Krieg und heute
Die Information über die „Wiederherstellung“ des Besitzzustandes vom August 1939 war unecht. Beispiele: Bahnhof – zerstört während Bombenangriffen auf Gdingen – wurde erst im Jahre 1950 ersetzt. Die Morski Station wurde bis heute nicht wiederaufgebaut.
Praktisch alle Kulturgüter Gdingens wie Museen, Büchersammlungen und Kollektionen, die im städtischen und privaten Eigentum waren, oft von unschätzbaren Wert, sind unwiderbringlich abhanden gekommen. |
